Beim Cross-Continental Swimming Race durchqueren Teilnehmer den Bosporus aus eigener Kraft. Unsere Autorin Agnes Fazekas trotzte der Strömung, schloss Freundschaft mit Quallen und war fast so schnell wie Pippa Middleton

Bosporuszum pdf der Story in Die Zeit...

Schmeckt gar nicht mal übel, so eine berühmte Schifffahrtsstraße. Das ist mein erster Gedanke, als ich, Füße voraus, die Hände an die Schwimmbrille gepresst, in den Bosporus tauche. Der zweite: Schnell weg, bevor einer auf mich draufspringt. Wie eine Schar Lemminge, die sich von Bord eines Schiffes stürzt und sich schwimmend gen Süden kämpft: So müssen wir von den Hubschraubern aus wirken, die heute zwischen den zwei Brücken in Istanbuls Zentrum kreisen. Ein dichter Tupfenteppich aus Badekappen. Nackige Beine in einem Gewässer, durch das im Jahr 50.000 Hochseefrachter manövrieren, ein Zehntel davon Öltanker.

Es ist zehn Uhr morgens. Kurz zuvor stehe ich noch an Deck eines Fährschiffs, das am asiatischen Ufer ankert. Um mich herum 1.660 Männer und Frauen: Sie zerren sich Latexkappen über die Köpfe, schmieren Melkfett auf Waschbrett oder Bauchspeck. Die Vorsichtigen wollen sich so vor Kälte und den Nesseln der Quallen schützen. Die Ehrgeizigen den Wasserwiderstand verringern. Egal, alle glänzen wie gebuttert. Die einen nuckeln Powergel aus Tütchen, die anderen teilen sich ein Messer und ein Nutella-Glas.

Tipps werden getauscht auf Türkisch, Deutsch, Russisch oder Englisch. Die Novizen hängen an den Lippen der Veteranen. Die lächeln aufmunternd und helfen, Brillen festzuzurren. Der Älteste an Bord ist 84 Jahre alt. Der Jüngste gerade mal 14. Wir alle wollen heute von Asien nach Europa schwimmen, um einen Titel zu erringen oder zu verteidigen, der großartiger nicht klingen könnte: Cross-Continental Swimmer.

Deshalb wird für zwei Stunden der Verkehr auf dem Bosporus gestoppt. Eine Huldigung an den Volkssport, wenn man bedenkt, dass die Meerenge nicht nur für die Türkei, sondern auch für Russland, die Ukraine, Rumänien, Bulgarien und Georgien die Verbindung zum internationalen Seehandel darstellt.

Als Landlebewesen, die im Mischwasser von Schwarzem Meer und Ägäis die Kluft zwischen zwei Kontinenten überwinden wollen, reihen wir uns in eine illustre Gesellschaft ein: Da ist zum Beispiel die Zeus-Gespielin Io, die, in eine Kuh verwandelt und von einer Bremse gepiesackt, die Meerenge gequert haben soll. Oder der Dichter, Frauenheld und Säufer Lord Byron, der sich vor gut 200 Jahren in die Dardanellen wagte und seitdem als Ikone des Freiwasserschwimmens gilt. Inspiriert wurde er vom griechischen Sagenheld Leander, der zu Stelldicheins mit der Priesterin Hero regelmäßig die Meerenge durchschwommen haben soll. Weniger romantisch war die Motivation einer Herde Wildschweine, die vergangenen Winter der Lärm von Waldarbeitern in den Strom trieb. Unglaubliche zwanzig Minuten sollen sie gebraucht haben, um die schmalste Stelle zu durchqueren – erzählen sich zumindest die Bosporus-Fischer.

Wir werden uns mehr Zeit lassen, nicht den direkten Weg ans andere Ufer nehmen, sondern den Bosporus auch ein Stück entlang schwimmen. Die Strecke, die vom Nationalen Olympischen Komitee der Türkei erdacht wurde, führt über 6.500 Meter vom Stadtteil Kanlıca, bekannt für Joghurt, zum Kuruçeşme-Park, ebenfalls in Istanbul. Eine Route, auf der bei jedem Atemzug ein Stück Geschichte vorbeizieht; die erahnen lässt, wie Byzanz zu Konstantinopel und schließlich zu Istanbul heranwuchs. Und auf der man mit Glück sogar einem der vierzig Delfine begegnet, die hier noch beheimatet sind.

Das war mein Anreiz. Meine Vorbereitung: eine Zehnerkarte für einen Salzwasserpool, die lange Suche nach einer garantiert dichten Schwimmbrille; und der misslungene Versuch, in einer geraden Linie durch einen Süßwassersee zu kraulen – fürs offene Meer war ich zu feige. Außerdem, dachte ich, mischen sich im Bosporus Süß- und Salzwasser sowieso.

Die Zweifel kamen gestern. Die Veranstalter hatten eine Orientierungsfahrt organisiert. Viele sahen da zum ersten Mal, worauf sie sich eingelassen hatten. Es gewitterte schon den ganzen Tag, die Wolken waren finster wie das Meer. Und ich verstand, wieso die Türken diese Wassermasse, die Istanbul teilt, "Boğaz" nennen, "Schlund". Und nicht verniedlichend wie die Griechen "Bosporus", "Kuh-Furt", nach dem Mythos von Zeus und Io.

Umso dankbarer war ich für die Tipps aus dem rauschenden Megafon, die mir Emre aus Istanbul übersetzte, der bereits im letzten Jahr dabei war: Nach dem Start das rechte Bein der Fatih Sultan Mehmet Brücke anpeilen, bis man irgendwo in der Mitte der Meerenge Wegweiser Nummer zwei fühlt: einen kühlen, schnellen Schwarzmeer-Wasserstrom, der mit vier Knoten in Richtung Süden schwappt. Eine Art Förderband – wer es findet, gibt richtig Gas. Um in der scharfen S-Biegung dann nicht zu nah ans Ufer zu geraten, sollte man sich fortan am linken Bein der nächsten Bosporusbrücke orientieren. Aber nur bis zu der Stromleitung, die sich auf halber Strecke über die Meerenge spannt. Ab hier schwimmt man am besten schnurstracks auf die Mitte der Brücke zu, erkennbar an der türkischen Flagge. Wenn man dann links die Militärakademie passiert hat und rechts die kleine Insel Galatasaray, ist es an der Zeit, aufs europäische Ufer zuzuhalten. "Und hier kommt die Crux", sagte Emre, "du musst das Wasser lesen. Alles klar?" – "Emre, was heißt Hilfe auf Türkisch?" – "Nicht rufen. Mit der Badekappe wedeln!" Dann war noch die Rede von einer ominösen Leine, die kurz vor der Bosporusbrücke gespannt sei, um Abgetriebene davor zu bewahren, im Marmarameer zu landen.

An die will ich heute, am Tag des Wettkampfs, lieber gar nicht denken. Nur nicht wie ein Fisch aus dem Netz geklaubt werden. Die Herausforderung ist nicht die Strecke, sondern die Strömung. Zwar schiebt sie Schiffe und Schwimmer bestenfalls mit sieben Kilometern pro Stunde gen Ägäis, allerdings drückt nur wenige Meter tiefer eine gegenläufige Kraft Wasser in Richtung Schwarzes Meer. An den Ufern verwirbeln sich die Strömungen, zudem variieren sie je nach Wind und Wetter – und sind für Unkundige kaum einzuschätzen. Vermutlich ein Grund dafür, wieso die eingeladenen Weltklasseschwimmer Jahr für Jahr nur den Startschuss geben und sich dann auf die Zuschauertribüne setzen, statt mitzumachen: Die Angst vor der Blamage ist zu groß. Weder Ian Thorpe, Australier mit fünf Goldmedaillen, noch Inge de Bruijn, vierfache Olympiasiegerin aus den Niederlanden, wollen sich von einem Hobbykrauler überrunden lassen. "Ich bin eine Kurzstreckensprinterin", war von de Brujin zu hören. Tja, was soll ich da sagen.

Immerhin, heute spiegeln sich die Wolkenfetzen hell in den Kräuseln aus Smaragdgrün und silbrigem Blau, das Wetter scheint freundlich gestimmt. Vor dem Startschuss für die Allgemeinheit springen fünfzehn Teilnehmer mit orangefarbenen Kappen ins Wasser, sie treten in der Paralympics-Kategorie an und scheinen Profis zu sein. Bis auf einen, der auf dem Rücken schwimmend, mit kräftigen Armschwüngen, viel zu weit auf der asiatischen Seite bleibt, schaffen es alle souverän in die Mitte der Meerenge und damit vermutlich auf das berühmte Förderband.

Ich stopfe mit zittrigen Fingern die Haare unter das grüne Gummi der Bademütze. Seit ich weiß, dass sie mein Notsignal sein könnte, pflege ich eine liebevollere Beziehung zu ihr. Ich drücke die Brille gegen mein Gesicht, schwinge die Arme zum Aufwärmen, wie ich es bei anderen Schwimmern sehe, schüttle die Hand von Levent Aksüt, Jahrgang 1930 und damit Startnummer 1, das zeigt der Aufdruck seiner gelben Seniorenmütze. Levent hat einen weißen Schnauzbart und einen Brustkorb wie ein Fass. Er feiert heute sein 25. Bosporus-Jubiläum. Ein Reporter fragt ihn nach seiner besten Platzierung. "134? Oder 600? Egal. Für mich ist das kein Wettkampf", sagt Levent. "Ich gucke mir die Vögel an, die Wolken und die wunderbaren Menschen."

Als ich über den Haufen abgestreifter Pantoffeln stolpere, zieht sich mein Magen zusammen. Ich fühle mich schutzlos in meinem dünnen Badeanzug. Was wohl Lord Byron damals trug?

Zwei-zwei-vier-vier, das ist der Rhythmus, den ich trainiert habe: zweimal jeden zweiten Armzug nach rechts Luft holen, um genug Power zu haben; dann zweimal auf jeden vierten Armzug, um mich zu erholen und die bessere Wasserlage zu nutzen. Nach links kann ich weder atmen noch gucken, da sperrt sich mein Nacken. Zum Glück liegt rechts die europäische Seite. Und dass diese die schönere ist, erkannte schon das Orakel von Delphi, als es dem sagenhaften Helden Byzas riet, dort die Stadt Byzanz zu errichten.

Wer behauptet, Schwimmen sei ein stiller Sport, der lügt. Die Atembläschen, die meinem Mund entweichen, prasseln wie das Getöse eines Hochdruckreinigers gegen mein Trommelfell.

Vor dem Blick in die Tiefe hatte ich am meisten Angst. Ohne Grund: Der Highway für Öltanker schimmert türkisfarben unter der Oberfläche, die von milchigen Sonnenstrahlen durchbrochen wird. Zarte Quallen in Falafelgröße tanzen vor meiner Brille. Aus den Augenwinkeln sehe ich die Körper der anderen Schwimmer. Anfangs bekomme ich noch Armschläge auf die Füße, den Ellenbogen eines Brustschwimmers in die Seite, dann bin ich plötzlich allein. Nur weit rechts und weit links vor mir in der Ferne hüpfen grüne und gelbe Badekappen. Vor mir bollert ein Jetski über die Miniwellen, an meinem Knöchel kratzt der GPS-Sender zum Zeitmessen – und, wie ich hoffe, auch zur Vermisstenbergung. Der Pfeiler der Fatih Sultan Mehmet Brücke ist kaum näher gerückt. Ich kraule eine paar Meter nach rechts, ein paar nach links. Das Meer fühlt sich überall gleich lau an. Wo ist das verdammte Förderband?

"Nicht erschrecken, wenn das Wasser plötzlich schwarz wird", hat mich Emre gewarnt, "das ist nur der Schatten der Brücke." Ich tröste mich durch die Dunkelheit mit der verharmlosenden Vorstellung, doch eigentlich nur in einem großen Fluss zu baden. Schließlich ist es auch ein bisschen Donauwasser, das durchs Schwarze Meer in meinen Mund spült. Der nächste Orientierungspunkt, der linke Pfeiler der folgenden Brücke, mahnt hinter der Biegung wie ein sehr ferner Leuchtturm.

Keine Muße, die Festung Rumeli Hisarı zu bewundern, mit deren Bau Mehmed III. im Jahr 1452 die Belagerung Konstantinopels vorbereitete. Oder eines der anderen Relikte von 120 Eroberern, Kaisern und Sultanen, Kalifen und Königen an den Ufern der umkämpften Meerenge. Ich muss Prioritäten setzen. Sightseeing oder Survival. Ich bin jetzt an der schmalsten und tiefsten Stelle der Meerenge angelangt, unter meinem Bauch sind es 124 Meter bis zum Grund. Viel Platz für Seegetier. Immer wieder überprüfe ich, ob mir der Schatten eines vergessenen Ungeheuers folgt. Türkis. Quallen. Alles ruhig.

Zwei-zwei-vier-vier ist längst vergessen. Ich schwimme jetzt Brust. Auch Lord Byron ist brustgeschwommen. Ich habe Angst, mich blind zu verkraulen und vor den Kaffeehäusern in der Bucht von Bebek im Gegenstrom zu dümpeln. Meine Gedanken flimmern im Atemrhythmus.

Kopf oben: die Yalıs, Sommerpaläste der osmanischen Oberschicht, mit geschnitzten Holzfassaden, rosa, gelb und weiß gestrichen, wie Liebesperlen an einer Schnur direkt am Ufer aufgefädelt. Angeblich gibt es hier kaum einen Bau am Wasser, der über die Jahrhunderte nicht von einem Schiff gerammt wurde.

Kopf unten: die Illusion friedlicher Natur.

Kopf oben: die reiche Fassade eines armen Landes.

Kopf unten: Richtig glücklich sind die Tiere im Bosporus schon lange nicht mehr, die Schwertfische wurden längst harpuniert, die Delfine haben ein Lärmtrauma durch Jetskis und Motorboote.

Kopf oben: das Rattern der Helikopter. In der Ferne nur Gelbmützen. Die Senioren sind vor mir und den anderen Grünkappen gestartet. Heißt das, ich bin schnell, weil ich sie eingeholt habe? Oder langsam, weil sie dahindümpeln und alle Grünmützen außer mir sie längst überholt haben?

Kopf unten: Egal, ich bin allein. Der Bosporus gehört mir. Ich sehe meinen Händen zu, wie sie vor mir ins Wasser greifen, anmutig, wie ich finde. Flossenartig. Ich brauche keine Delfine, ich bin selbst einer. Ist das der Sauerstoffmangel?

Die Amerikanerin Julie Upmeyer, Gewinnerin in den vergangenen beiden Jahren, schwimmt auch irgendwo, weit vorn vermutlich. "Keine Wände, kein Boden, keine Bahnen", hatte sie mir vorgeschwärmt. "Man fühlt die Masse und Macht dieses berüchtigten Wassers. Im Bosporus sind wir Winzlinge im fremden Element. Sich in dieser anderen Welt zurechtzufinden gibt mir eine unheimliche Erfüllung."

Ich bin ganz bei ihr. Ich finde mich so was von zurecht und bin so was von erfüllt. Bis mir eine Welle in die Nase schwappt. Hustend gucke ich nach oben und sehe eine Stromleitung weit über mir hängen. Halbzeit. Schon. Fast bin ich enttäuscht.

Durch mein neues Habitat zieht sich eine schwankende Linie: In meiner Brille steht Wasser. Zum Leeren bleibt keine Zeit. Jetzt nämlich entscheidet sich, ob ich das Rennen mache oder an der Leine lande, die Abgetriebene vor dem Marmarameer bewahrt. Wer zu früh in Richtung Ufer abbiegt, verhungert im Gegenstrom, wer sich zu lange in der Mitte ausruht, rauscht am Ziel vorbei. Jeder Schwimmer folgt seiner eigenen Philosophie, Emre hat mir geraten, auf Höhe der Insel Galatasaray in einem 60-Grad-Winkel auf die Zielplattform mit Aluminiumleitern zuzuhalten, die am europäischen Ufer festgemacht ist. Momentan erkenne ich nur den gelben Ballon, der darüber schwebt. Aber davor ankert ein knallblauer Kahn. Meine Taktik: Den Kahn anpeilen, mich von der Strömung an ihm vorbeitreiben lassen und direkt an der Zielplattform anlegen.

Während ich querend meinen Winkel schätze, werde ich von eisigen Armen umfangen, die mich mit sich tragen wollen. Das muss das Förderband sein. Heureka, will ich den anderen zuwinken: Ich habe es gefunden! Da bin ich bereits an der Insel vorbei. Rechtzeitig verabschiede ich mich von der Schnellspur.

Plötzlich bin ich mitten im Pulk. Wo waren die alle auf den letzten Kilometern? Mein Ehrgeiz erwacht. Sind es noch 500 Meter zum gelben Ballon? 1.000? 200? Jetzt kommt mir mein Rechtsdrall zu Hilfe. Denke ich. Kraule wie verrückt und stoße mit einer Frau zusammen, blubbere ein "Sorry".

Am Ufer die Zuschauer. Schwimmer ziehen rechts an mir vorbei, links kann ich ja nicht gucken. Linker Arm, gleiten, rechter Arm, schnaufen. Zwei-zwei-zwei-zwei-zwei-zwei. Das blaue Boot ist längst hinter mir, der gelbe Ballon immer noch genauso groß. Das muss die berüchtigte Wand sein, der Uferwirbel. Zwei-zwei-zwei-zwei-zwei-zwei. Brust. Ich komme voran. Kaum. Aber jetzt erkenne ich schon, dass sich die Münder der Zuschauer bewegen. Ihre Stimmen höre ich nicht. Zwei-zwei-zwei. Ich haue mir den Kopf an. Greife nach dem silberfarbenen Geländer, das auf die Plattform führt, aber meine Füße machen seltsame Sachen, bis sie auf der Leitersprosse stehen. Die Plattform fühlt sich wacklig an, vielleicht sind es auch meine Beine.

Endlich schubst mich einer der Helfer auf die Matte, auf der die Zeit gemessen wird. Die Gesichter um mich herum sehen glücklich, aber geschunden aus, mit tiefen Furchen von den Schwimmbrillen um die Augen. Das Klicken von Fotoapparaten empfängt uns. Ich reiße mir die Kappe vom Kopf, siegestrunken. Das merken die Kamerateams. Ich werde zweimal interviewt, sage zweimal platte Dinge auf Englisch, über die tricky Strömung, das einzigartige event. Hoffe, ich klinge nicht wie Lord Byron. "Ich muss mich selbst für diese Leistung loben", soll der Mann gesagt haben. "Mehr Ruhm könnte ich weder auf politischer Ebene noch in der Rhetorik oder Dichtkunst je erreichen."

Die echten Stars haben längst geduscht. Julie Upmeyer, die Amerikanerin, war wieder Erste bei den Frauen mit 49 Minuten, zeitgleich mit dem einbeinigen Alper Ceylantepe. Die Goldmedaille bekommt ein 22-jähriger Türke – 41 Minuten. Die anderen sitzen salzverkrustet im Park, alle in ihren eigenen Abenteuern schwelgend. Beseelt von dieser einen Stunde in der Strömung, die jeder gleich und doch anders erlebt hat. Über eine Leinwand flattern weiter die Zeiten. Meine Altersklasse: 1:05, Pippa Middleton. Ich war zwei Minuten langsamer als die Schwester der britischen Prinzgemahlin. Ich schmiede Pläne fürs nächste Jahr, will die Ideallinie finden. Schneller sein als Pippa.

Dann sehe ich Levent Aksüts Zeit: 1:36. Der 84 Jahre alte, ewig junge Wolkengucker. Vergesst die Ideallinie. Nächstes Jahr drehe ich mich mal auf den Rücken und schaue, was am Himmel zwischen Europa und Asien so passiert.

(erschienen in Die Zeit)