Mit einem Nationalitätengesetz hat sich Israel zu einem jüdischen Staat erklärt – und Ftian Ibrahim das Leben schwergemacht. Der Druse stammt aus einem arabischen Dorf und lebt in Tel Aviv – und in beiden Welten fühlt er sich immer fremder

cp1904 66-73 Druse pages-to-jpg-0001zum pdf der Story in Chrismon

Die Braut trägt Hotpants und Bustier, der Bräutigam Hawaiihemd. Es gibt Longdrinks mit dem Saft der Khat-Pflanze, einer Droge von der Arabischen Halbinsel, die ihren Weg in die Bars von Tel Aviv gefunden hat. Ftian Ibrahim am Rand der Tanzfläche ist größer als die meisten im Raum. Seinen schwarzen Schnurrbart hat er an den Enden gezwirbelt, ironisch altmodisch. Unter all den anderen mit ihren rötlichen Hipsterbärten wirkt er damit aber ernsthaft und etwas exotisch. „Das ist also meine erste jüdische Hochzeit", sagt er.

28 Lebensjahre hat Ftian in Israel verbracht, die meiste Zeit in einem Dorf in Galiläa. Sechs Jahre ist er nun in Tel Aviv, als Lichttechniker beim Film. Die Hochzeitsgäste sind Kollegen und Freunde aus der Branche. Ftian ist sich sicher, dass er der Einzige unter ihnen ist, der einen arabischen Namen trägt. Er ist Druse.

Arabisch, Geheimreligion, Blutsbrüder. Viel mehr wissen die meisten Israelis nicht über die 133 000 Drusen im Land. Die meisten leben in 18 Dörfern auf Hügelkuppen im Norden, wo sich ihre Vorfahren ansiedelten. Tausend Jahre ist es her, dass sich Drusen in Ägypten vom ismailitischen Islam abgespalten haben. Bald nach dem Tod ihres Gründers wurden sie verfolgt. Sie kapselten sich nach außen ab und zogen ins syrisch-libanesische Bergland. Im heutigen Israel gehören sie mit Muslimen und Christen zur nichtjüdischen Minderheit, die ein Fünftel der Bevölkerung ausmacht. Doch während sich die meisten Muslime und Christen in Israel mit den Palästinensern identifizieren, stehen die Drusen seit jeher mehrheitlich an der Seite des jüdischen Staates. Sie bekleiden hohe Posten in der Armee oder bei der Grenzpolizei, sind bereit, für Israel in den Krieg zu ziehen und zu sterben, und sie wählen traditionell die rechte Likud-Partei. Dennoch teilen sie seit Sommer 2018 mit allen anderen Nichtjuden ein Schicksal: Ein neues Nationalitätengesetz schreibt sie als Bürger zweiter Klasse fest.

Auf der Tanzfläche imitieren die Gäste nun die getragenen Armbewegungen arabischer Tänzer. Ftians Kumpel Eitan ärgert sich. „Ausgerechnet hier spielen sie Misrachi-Musik" – die Musik orientalischer Juden auf einer Hochzeit europäischer Juden. Eitans Vater stammt aus dem Jemen, und in der Filmclique gilt er deshalb als „der Jude aus dem Orient". Vom Bräutigam musste er sich schon Witze anhören, die man in empfindlicherem Umfeld als rassistisch bezeichnen würde. Selbst in der dritten Generation bleibt spürbar, dass die Juden aus Europa den Ton angeben in Israel.

Wie Ftian hat auch Eitan seine Kontakte in die Filmszene über die Armee gefunden. Beide schossen damals mit der Kamera statt mit der Waffe und dienten in der Pressesprecher-Einheit, Seite an Seite mit linksliberalen Sprösslingen von Aschkenasi-Juden. Beziehungen sind alles in Israel. „Wir waren einfach gut", sagt Eitan – er meint: besser als die europäischen Juden. „Wir waren die guten Araber", sagt Ftian – und Eitan guckt für einen Moment irritiert. Er mag Orientale sein, aber spricht ja nicht einmal Arabisch. Alles ist relativ, wenn es in Israel um Zugehörigkeit geht.

Die orientalischen Schlager auf der Hochzeit sind dem Drusen Ftian egal. Er hat sich schon so viel geärgert. Ein paar Tage nachdem das Nationalitätengesetz verabschiedet worden war, hatte er an einer Zeremonie für junge Marineoffiziere teilgenommen, unter denen auch sein Bruder Farouk war. Er stellte ein Foto davon auf Facebook undschrieb: „Diesmal habe ich die Hymne nicht mitgesungen. Warum reifen wir als Gesellschaft und Staat nicht wie ein guter Wein, sondern grenzen uns immer weiter ab nach Rasse, Geschlecht und Religion?"

Es sei nicht so, dass er zuvor nie gespürt habe, dass er anders ist, sagt Ftian. Als er mit 14 Jahren von der Dorfschule in die jüdische Schule in der Kleinstadt Karmiel wechselte, war er der einzige Druse. Sein Hebräisch klang hölzern. Er war groß und dunkel. Und er war es gewohnt, dass die Dorflehrer schnell mal mit der Hand ausholten. In der neuen Klasse sprachen die Schüler ihre Lehrer mit Vornamen an, waren frech und mussten keine Angst vor Hieben haben. Daran musste er sich erst mal gewöhnen.

In der Armee und später beim Film hörte man ihm den Akzent kaum noch an. Aber etwas hatte sich geändert. Je weiter er sich vom Dorf entfernte, desto stärker fühlte er sich als Druse. Herkunft und Kultur wurden wichtiger; das Interesse an Traditionen wuchs – und an dieser Religion, die nur ein Zirkel eingeweihter Drusen praktiziert. Immer mehr fühlte er sich wie ein Wandler zwischen Welten, die er beide nicht verlieren möchte: Tel Aviv, die Filmsets und Partys, die Karriere und seine Freunde, die ihn „Fati" nennen, die gegen das Nationalitätengesetz demonstrierten, wenn nicht gerade eine wichtige Feier anstand; die ihn alle lieben, wie sein Kumpel Eitan sagt, weil er nicht nur den Exotenbonus mitbringt und schuften kann wie ein Tier, sondern weil er einfach so ein großes Herz hat.

Und dann Sajur, das Dorf, wo jeder alles von jedem weiß, wo man Hass, Liebe und Trauer brüderlich teilt, wo man rechts wählt, aber arabisch spricht. Wo Davidsterne neben der bunt gestreiften Drusenfahne flattern. Wo seine Mutter Stunden vor dampfenden Töpfen steht und hofft, dass er endlich ein Mädchen heimbringt. Wo sein Vater Witze über alles macht, nur nicht über Israel. Und wo sein Onkel von dem Leben vor seiner Wiedergeburt erzählt, in dem er Ahmad hieß statt Amir – was natürlich auf keinen Fall darauf hindeutet, dass er im letzten Leben Moslem war. Drusen waren auch in ihrem Vorleben Drusen.

Je mehr Ftian von der weiten Welt kennenlernte, desto rückständiger kam ihm sein Dorf vor. „Aber das stört mich nicht", sagt er: „Mich stört, dass die Leute gleichzeitig ihre Herkunft verraten." Sein Großvater gilt im Dorf als Held. Er war der erste Druse, der es in der israelischen Armee zum Offizier geschafft hatte. Ftian jedoch verehrt seinen anderen Großvater. Ein bescheidener Mann sei das ge- wesen, ein Waisenkind, von allen verlassen. Doch er habe seinen Weg gemacht, als Gefängniswärter gearbeitet. Beide sind in Sajur geboren und gestorben.

Andererseits findet Ftian es scheinheilig, wie die Juden sich in Israel als ein Volk präsentieren, jedoch untereinander sorgfältig abgrenzen: die Aschkenasim (mitteleuropäische Juden) versus die Russen versus die Sephardim (Juden aus dem Mittelmeerraum) versus die Misrachim (orientalische Juden) versus die Äthiopier. Und wer oben ist, der drückt nach unten.

Einmal im Monat fährt Ftian nach Hause zu seiner Familie, und wie schon so oft lädt er seinen Freund Eitan ein. „Schlachtet ihr einen Hammel?", witzelt Eitan. Dann sagt er doch zu, das erste Mal. Auf der Fahrt am Schabbat-Morgen reden die beiden über die Arbeit. Eitan ist Kameramann. Ftian beleuchtet in Musikclips, Werbesendungen, TV-Serien. Er schuftet zu viel, findet Eitan. Er wolle lernen, sagt Ftian. Irgendwann einmal seine Videokunst ausstellen. Im Spiel von Licht und Schatten, der Spiegelung in einem Wassertropfen, in solchen Aufnahmen der Unbeständigkeit könne er sich vollkommen verlieren. Und wiederfinden. Über eines spricht Ftian nicht, während die Landschaft immer weicher wird vor dem Autofenster, die Hügel immer grüner: über die Sorgen, die ihm in der Brust brennen.

Was seine Mutter nicht weiß: Er hat ein Mädchen kennengelernt. Sie wohnt bereits in seiner kleinen Wohnung in Tel Aviv, im multikulturellen Jaffa. Olga kommt aus Russland. Es fühlt sich ernst an. Ihre Eltern sind gegen die Beziehung, weil Ftian Araber ist. Seine eigenen Eltern braucht er gar nicht erst fragen. Drusen glauben, dass sie einmal – vor tausend Jahren – der Religion beigetreten sind, in einem vorherigen Leben. Seitdem ist die Tür zu. Man kann nicht zum Drusentum konvertieren, man kann es nicht abschütteln. Und wer Druse ist, hat eine Drusin zu heiraten. Und zwar in jungen Jahren.

Die Fahrt dauert zwei Stunden. Von der Autobahn schaut man auf drei Dörfer, die sich gemütlich im Berghang eingenistet haben. In der Mitte liegt Sajur, das Drusendorf, aus den anderen ragen die Minarette von Moscheen. Die Beziehungen seien gut, sagt Ftian. Wenn einer heiratet oder stirbt, gibt man sich hier im Tal die Ehre, egal ob man Moslem, Christ oder Druse ist.

Die Straße von der Grundschule bis zum Haus seiner Familie, das war seine Kindheit, sagt Ftian. Hier hat er Fußball gespielt, später haben seine Eltern die Garage zum Partyraum erklärt. Es war ihnen nicht geheuer, wenn die Brüder abends im Dorf umherzogen. Fast alle Männer sind Berufssoldaten. In Sajur geht es in mancher Hinsicht etwas rauer zu. Halbstarke spielen ihre Streiche hier nicht mit Knallkörpern, sondern gleich mit echten Granaten.

Aber jetzt zu Mittag ist alles Idylle. Anders als im schwülen und staubigen Tel Aviv. „Luft!", seufzt Kumpel Eitan. Der Bruder und der Vater sitzen im Schatten und rauchen Selbstgedrehte. Die Schwestern werkeln in der Küche. Das Essen ist schon fertig, die Mutter hat es in aller Frühe vorbereitet, bis sie zu einer langen Samstagsschicht in einem Kleidergeschäft in die Stadt aufgebrochen ist.
Manchmal ist es praktisch, kein Jude zu sein in Israel. Die Drusen kennen keine Ruhetage. Und in der Familie Ibrahim arbeiten alle gern und hart. Der Vater ist Manager in einer Plastikfabrik, der Bruder Soldat. Eine Schwester führt ein Schmuckgeschäft, die andere arbeitet in der Bank – und die Zwillinge bereiten sich gerade auf ihren Schulabschluss vor. Wie die meisten jungen Drusen sind Ftians Geschwister im Dorf geblieben, gut 4000 Menschen leben hier heute, mit rund 700 davon sind sie verwandt.

Der Vater versteht es, die Gäste zu unterhalten. Alle herzen den kleinen Enkel mit den blauen Augen. Und Eitan, der selbst in seinem Freundeskreis manchmal das Gefühl hat, als Misrachi – oder orientalischer Jude – außen vor zu sein, erlebt etwas, was er noch nicht oft erlebt hat: Er ist der einzige Jude am Tisch. Ja, im Dorf. Und damit der Einzige, dem man das Bürgerrecht nicht streitig machen kann. Da ist es wieder, das Nationalitätengesetz. „Unsinn", sagt der Vater. „Wir leben hier seit sechs Generationen. Was kümmert uns ein Gesetz? Netanjahu macht viel Lärm, um von den Korruptionsvorwürfen gegen ihn abzulenken."

Manches davon findet er sinnvoll. Dass es die Beduinen in feste Häuser zwinge, zum Beispiel. „Was ist das für ein Leben im Zelt?" Ftian lächelt, dass die Schnurrbartzipfel sich noch weiter kringeln, so wie immer, wenn er sich schon im Vorhinein entschuldigen will: „Das ist ihre Kultur, Abu, sie ziehen seit Jahrhunderten umher!" "Was wollt ihr Lefties?", antwortet der Vater. „Uns geht es doch gut hier. Wollt ihr lieber in Syrien unter Assad leben?" Und dann zeigt er ein Video, das er im Internet gefunden hat. Ein Sketch über den ersten Drusen, der sich zum Armeedienst meldete – er beschreibt die Absurdität herrlich komisch: Gern wurde ihr Einsatz damals von den Juden angenommen, aber die Angst vor dem Araber ging nie verloren. Der Vater lacht herzlich darüber.

Ftian wird ernst: „Aber was ist in 20 Jahren, wenn es noch weiter nach rechts geht?" Wie schnell ging das damals bei den Nazis, als die Rassengesetze festgeschrieben wurden! Der Vater winkt ab, Politik, das ist für ihn die Bürgermeisterwahl von Sajur in ein paar Tagen: Die Nachbarn haben die blaue Flagge eines Kandidaten gehisst. Und abends wird es jetzt oft laut im Dorf. Der Vater findet den Wahlkampf unterhaltsamer als das Ergebnis: „Am Ende baut der Sieger fünf neue Bremsschwellen."

Dann kommt Onkel Amir, der im letzten Leben Ahmad hieß. Auch das findet der Vater amüsant, er lässt den Onkel seine Geschichte von der Reinkarnation erzählen. Die meisten Drusen glauben an Wiedergeburt, und jeder kennt mindestens eine Geschichte. Die der Ibrahims geht so: Als Amir vier Jahre alt war, ging er an der Hand seiner Mutter zu einer Beerdigung im Nachbardorf. Plötzlich zeigte er auf eine fremde Frau und sagte: „Mama!" Nach viel Hin und Her erzählte die Frau von ihrem Sohn Ahmad, der unter bizarren Umständen verstorben war: Er war 21 und saß in der Küche, als er ein Klicken hörte. Das Geräusch gehörte zu einer deutschen Handgranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Er hatte sie im Feld gefunden und als Souvenir behalten; sie war scharf. Nun schickte sich seine Schwester an, Nüsse damit zu knacken. Ahmad entriss ihr die Granate und schützte sie mit seinem Körper. Ein Körper, der an den gleichen Stellen Leberflecke trug wie der des kleinen Amir. Behauptet Ahmads Mutter jedenfalls. Seitdem hat Amir, der sich an die Begebenheit zu erinnern glaubt, zwei Familien. Manchmal sehnt er sich nach seinem alten Dorf, das nur zehn Minuten entfernt liegt.

Da die Seele nach dem Tod weiterfliegt, liegt den Drusen auch nicht viel am Friedhofskult, erklärt der Vater. Kein Wunder also, dass sie die jüdische Pilgerstätte am Dorfeingang nicht ganz ernst nehmen. Der Vater ist zudem überzeugt, dass die Juden dort aus Versehen einem Moslem huldigen, und feixt, wenn er Pilger sieht. „Aber was ist mit all den überzähligen Drusen heute, wenn die Anzahl an Seelen bereits vor tausend Jahren festgelegt wurde?", fragt Eitan vorsichtig. „Die leben in China", zitiert der Onkel die landläufige Theorie. Eitan nickt höflich. Trotz des einschneidenden Erlebnisses seiner Wiedergeburt ist der Onkel nie gläubig geworden. „Dann müsste ich auf meine Zigaretten und den Whiskey verzichten."

Heute bekennen sich nur noch etwa zwanzig Prozent der Drusen zu den Eingeweihten des inneren Zirkels. Männer wie Frauen tragen weiße Kopfbedeckung zu schwarzer Kleidung, studieren und wahren gleichberechtigt die heiligen Schriften. Soweit bekannt, handelt es sich dabei um eine eigene Auslegung des Korans, beeinflusst on griechischer Philosophie und gnostischen Ideen. Obwohl es Unwissenden wie ihm nicht gestattet sei, habe er mal in ein Buch hineingeguckt, sagt der Vater. Ein Arm sei ihm nicht abgefallen, aber verstanden habe er auch nichts.

Als Ftian seine Gäste im Gelände-Jeep durch die Olivenhaine den Hang hinauf bugsiert, grüßt er einen alten Mitschüler. Er trägt die weiße Kappe über dem schwarzen Kaftan. Ftian vermutetet, dass er sich zum Glauben bekannt hat, weil er nicht zur Armee wollte. Dann lässt er den Jeep über einen steilen Buckel kippen und hält in der letzten Reihe der Olivenbäume. Dahinter ist die Erde verbrannt. In den trockenen Sommern entzündet sich hier rasch ein Feuer. Ftian will seinem Kumpel Eitan die Höhle zeigen. Seine Höhle. Als Teenager hat er hier einmal eine wie zufällig gelegte Spur von Federn gefunden, die zu einem versteckten Maschinengewehr führte. Von hier oben, aus dem rußgeschwärzten Höhleneingang, wirkt das Dorf noch übersichtlicher, der Talkessel noch enger. Beinahe lautlos sausen die Autos aus ihm hinaus.

Wirklich weg aus seiner Heimat, das wollte Ftian nie. Ironie des Schicksals, das er gerade in den Wochen, in welchen Israel ihn auf dem Papier zum Bürger zweiter Klasse machte, einen Anruf aus den USA erhielt. Seit Jahren hatte er sich vergeblich um ein Touristen- Visum bemüht. Vermutlich klang sein Name zu muslimisch. Nun sagte die Stimme am Telefon, er habe eine Greencard gewonnen. Lebenslänglich USA, wenn er wolle. Leider habe Olga keine Lust auf Los Angeles, sagt Ftian.

Zurück in Sajur ist schon wieder Essenszeit, Mutter Ibrahim legt Fleisch in die Marinade für den Grill. Keinen Hammel, sondern feinste Lammkoteletts, und bald trudeln Nachbarn und Familie ein. Die 17-jährigen Zwillingsschwestern fragen Eitan, ob er auch so ein Smolani (ein Linker) sei und die sozialistische Partei Meretz wähle. Sie sagen, dass sich Ftian verändert habe, seit er nur noch mit Juden abhänge. Dass er sich nun als „Arabischer Druse" bezeichne.

Der Mann der mittleren Schwester erklärt, er sei nicht nur zur Luftwaffe gegangen wegen des guten Solds oder um seine Loyalität Israel gegenüber zu beweisen, sondern vor allem um seine zukünftige Familie zu schützen: „Wir Drusen sind überall die Minderheit, das macht uns besonders verletzlich."

Später auf dem Heimweg im Auto erzählt Ftian seinem Freund, dass einer der Nachbarn beim Geheimdienst sei, der andere bei der Polizei. Und Eitan ist froh, dass er sich seinen Joint verkniffen hat. Auf der Stadtautobahn von Tel Aviv rauscht ein Werbeplakat für eine neue Fernsehserie vorbei, bei deren Dreh Ftian mitgewirkt hat. Sie heißt „Autonomie" und spinnt Israels Feindschaft zwischen den ultraorthodoxen Juden und den Säkularen weiter: Das religiöse Jerusalem behauptet sich als autonomer Staat hinter hohen Mauern gegen die Ungläubigen. „Als ich das Skript gelesen habe, dachte ich: Wahnsinn, was für eine Idee!", sagt Ftian. Damals hielt er das Szenario für vollkommen abwegig. Gedreht wurde der Film nur wenige Monate bevor das Parlament in Jerusalem ein Gesetz beschloss, dass Nichtjuden ausgrenzt.

(erschienen in Chrismon)